Anliegen
Post-Covid, ME/CFS und Fatigue
Nach einer Covid-19-Infektion oder einem anderen Infekt können Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Belastungsintoleranz über Monate bleiben - bei Long-Covid, ME/CFS und anderen postviralen Syndromen. Ergotherapie unterstützt dich dabei, mit deiner Energie durch den Alltag zu kommen - mit ärztlicher Verordnung übernimmt die Krankenkasse die Kosten.
Wir sind mit PEM vertraut
Viele Menschen mit Long-Covid oder ME/CFS kennen das: Nach einer Tätigkeit geht es nicht besser, sondern schlechter - oft erst Stunden oder bis zu zwei Tage später. Fachleute nennen das PEM, die Zustandsverschlechterung nach Belastung (englisch post-exertional malaise). Sie ist das Kernmerkmal von ME/CFS.
Wir nehmen dich in deiner Symptomatik ernst und achten deine Grenzen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit dir Wege zu erarbeiten, die PEM reduzieren und eine stabilere Basis schaffen - mit achtsamem Energiemanagement und ohne Überforderung.

Wie Ergotherapie dich unterstützen kann
Wie stark Long-Covid oder ME/CFS jemanden trifft, ist sehr unterschiedlich. Manche kommen mit Einschränkungen durch Alltag und Beruf, wenn sie gut haushalten. Andere schaffen nur noch einen Teil des Tages und mussten Arbeit oder Ausbildung zurückstellen. Und wer schwer betroffen ist, verbringt den Großteil der Zeit zu Hause, zum Teil im abgedunkelten Zimmer.
Deshalb sieht Ergotherapie bei jedem anders aus. Womit wir arbeiten, richtet sich danach, wo du gerade stehst und was aktuell deine Ziele sind - das sind die Bausteine:
- Pacing und Energiemanagement
Den Alltag neu denken und wo nötig sanft umgestalten - sodass er zu deinem Energielevel passt und Raum für echte Erholung entsteht.
- 30-Sekunden-Methode nach Prof. Simon
Alltagshandlungen in kurze Einheiten aufteilen, mit bewussten Pausen dazwischen - mit dem Ziel, Überlastung zu vermeiden oder sich langsam an mehr Aktivität heranzutasten.
- Atemübungen
Zum Beispiel nach Buteyko: ein aus dem Takt geratenes, zu schnelles Atmen wieder beruhigen - langsam, ohne Druck.
- Baseline-Training
Erst herausfinden, was dein Körper gerade verlässlich trägt - und darauf aufbauen: in kleinen Schritten und nur innerhalb dieses Toleranzfensters.
- Das Nervensystem beruhigen
Mit Erdung, Achtsamkeit und kleinen Routinen suchen wir Wege, Entspannung zu ermöglichen - und damit einen Zustand, in dem Erholung stattfinden kann.
Verordnet wird das meist als psychisch-funktionelle oder motorisch-funktionelle Behandlung. Steht bei dir vor allem die Erschöpfung im Vordergrund, findest du auch auf der Seite Erschöpfung & Überforderung passende Ansätze; den fachlichen Rahmen beschreibt die psychisch-funktionelle Ergotherapie. Die Art der Verordnung hat keinen Einfluss auf unser Krankheitsverständnis und unsere Behandlungsansätze.
30-Sekunden-Methode
Kurz belasten, bewusst pausieren
Bei Long-Covid und ME/CFS sind Herz, Lunge und Muskeln oft unauffällig - und trotzdem reicht die Kraft nicht. Der Sportmediziner Prof. Dr. Dr. Perikles Simon von der Universität Mainz erklärt das so, und Fachzeitschriften beschreiben das Bild inzwischen auch: Das Blut fließt zu schnell an der arbeitenden Muskulatur vorbei, sodass im Gewebe zu wenig Sauerstoff ankommt.
Daraus folgt eine Faustregel, die in der Fatigue-Selbsthilfe weit verbreitet ist: sich möglichst nicht länger als etwa 30 Sekunden am Stück anstrengen und danach eine bewusste Pause von mindestens 30 Sekunden einlegen. Im Alltag sieht das so aus:
- Treppen: nach zwei, drei Stufen kurz stehen bleiben, statt in einem Zug nach oben
- Spülmaschine: davorsetzen, in Etappen ausräumen, zwischendurch die Arme sinken lassen
- Waschen und Anziehen: eine Seite, kurze Pause, dann die andere
Das wirkt kleinteilig, und am Anfang ist es das auch. Der Gedanke dahinter: unter der Grenze bleiben, ab der ein bis zwei Tage später der Einbruch kommt. Wer so vorgeht, kommt am Ende oft weiter als jemand, der eine Viertelstunde durchzieht und danach zwei Tage ausfällt.
Ein starres Programm ist das nicht. Wie streng die 30 Sekunden für dich sinnvoll sind, hängt davon ab, wie stark du betroffen bist - bei einem moderaten Verlauf zählt eher das Prinzip als die genaue Sekundenzahl. Und was überhaupt als Pause taugt, ist auch nicht bei allen gleich: Wer im Stehen Kreislaufprobleme bekommt, für den ist Stehenbleiben keine Erholung. Solche Dinge klären wir gemeinsam und passen sie unterwegs an.
Wie du zu uns kommst, wenn kaum etwas geht
Wenn schon der Alltag Kraft kostet, ist der Weg in eine Praxis eine echte Hürde. Deshalb ein paar Dinge vorweg, damit du nicht rätseln musst, ob das überhaupt machbar ist:
- Melde dich so, wie es dir leichter fällt. Eine kurze E-Mail reicht völlig - du musst nicht telefonieren, wenn das gerade zu viel ist. Schreib in ein, zwei Sätzen, worum es geht, den Rest klären wir.
- Du darfst jemanden mitbringen. Eine Begleitperson zum ersten Termin ist selbstverständlich willkommen.
- Sag uns, was du brauchst. Eine kürzere Einheit, eine Pause zwischendurch, weniger Reize im Raum, dich zwischendrin hinlegen - wir richten den Termin nach dir, nicht umgekehrt.
- Der Weg bleibt kurz und barrierefrei. Zugang und Räume sind barrierefrei, und direkt hinterm Haus stehen zwei Parkplätze mit der Kennzeichnung „Ergotherapie“ - so ist der Fußweg so klein wie möglich.
- Therapie geht auch bei dir zu Hause. Als Hausbesuch mit entsprechender ärztlicher Verordnung - oder nach Absprache als Videotermin, wenn der Weg gerade nicht drin ist.
- Ein schlechter Tag ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Wenn es dir an einem Termintag zu schlecht geht, gib uns einfach Bescheid - dann finden wir einen neuen Termin.
Bei uns ein Thema
Wer sich damit beschäftigt
In unserem Team beschäftigt sich Hannah Burger intensiv mit Post-Covid, ME/CFS und postviralen Syndromen. Durch ihre eigene mehrjährige, zum Teil schwere Post-Covid-Erkrankung kennt sie viele Schwierigkeiten aus erster Hand - und ebenso die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Behandlungsansätze, ohne die ihr heutiger Alltag mit Arbeit, Sport und Tanzen nicht möglich wäre. Wenn du dich meldest, sag gern, worum es geht - dann bist du von Anfang an bei jemandem richtig, der das Thema von beiden Seiten kennt. Wer sonst noch zu uns gehört, siehst du auf der Team-Seite.
Hannah Burger ErgotherapeutinHäufige Fragen zu Post-Covid und ME/CFS
Was ist ME/CFS - und was hat es mit Long-Covid zu tun?
ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom - eine schwere, oft nach Infekten auftretende Erkrankung mit anhaltender Erschöpfung und Belastungsintoleranz. Long-Covid kann in ein ME/CFS übergehen, ist aber nicht dasselbe: Long-Covid meint alle Beschwerden, die nach einer Covid-19-Infektion bleiben; ME/CFS ist ein eigenes Krankheitsbild, das auch nach anderen Infekten entstehen kann (postvirales Syndrom). Beide sind als körperliche Erkrankungen von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt.
Was bedeutet PEM (Zustandsverschlechterung nach Belastung)?
PEM heißt: Nach einer Anstrengung - körperlich, geistig oder emotional - verschlechtert sich der Zustand, oft zeitverzögert erst nach Stunden oder ein bis zwei Tagen, und die Erholung dauert ungewöhnlich lange. PEM ist das Kernmerkmal von ME/CFS und der Grund, warum wir mit Pacing arbeiten und dich nicht über deine Belastungsgrenze treiben.
Was ist die 30-Sekunden-Regel bei Fatigue?
Eine Faustregel fürs Pacing: sich möglichst nicht länger als etwa 30 Sekunden am Stück anstrengen und danach eine bewusste Pause von mindestens 30 Sekunden einlegen. Sie geht auf den Sportmediziner Prof. Dr. Dr. Perikles Simon (Universität Mainz) zurück und ist in der Fatigue-Selbsthilfe weit verbreitet. Der Gedanke dahinter: unter der Belastungsgrenze bleiben, ab der sich der Zustand ein bis zwei Tage später verschlechtert. Ein starres Programm ist es nicht - wie streng die Regel für dich sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark du betroffen bist.
Was ist der Unterschied zwischen Pacing und Schonung?
Schonung heißt, möglichst wenig zu tun. Pacing heißt, so viel wie möglich zu tun und dabei so viel Ruhe wie nötig einzuplanen - die eigene Energie also bewusst über den Tag zu verteilen, statt sich zu verausgaben und danach zusammenzubrechen. Pacing ist ausdrücklich keine Aufforderung, nur noch zu liegen. Bei den meisten ist eher das Gegenteil das Problem: Sie tun, gemessen an ihren Kräften, zu viel und rutschen dadurch in die nächste Verschlechterung.
Ist Sport oder Aktivierung bei ME/CFS sinnvoll?
Pauschal „mehr Sport“ ist bei ME/CFS nicht der richtige Weg - festes Steigerungstraining kann PEM auslösen und den Zustand verschlechtern. Sinnvoller ist, erst eine stabile Baseline zu finden und Aktivität nur innerhalb deines Toleranzfensters vorsichtig aufzubauen. Bei Long-Covid ohne ausgeprägte PEM kann eine behutsame, schrittweise Steigerung dagegen passen. Was für dich stimmt, schauen wir gemeinsam an.
Ich habe Long-Covid, aber keine ausgeprägte PEM - gilt das alles auch für mich?
Nicht eins zu eins. Die strengen Pacing-Regeln und die 30-Sekunden-Methode sind vor allem für Menschen mit ausgeprägter Belastungsintoleranz (PEM) gedacht. Wenn sich dein Zustand nach Anstrengung nicht regelmäßig verschlechtert, kann eine behutsame, schrittweise Steigerung durchaus passen - dann stehen eher Energieeinteilung, Konzentration und der Wiedereinstieg in den Alltag im Vordergrund. Was für dich sinnvoll ist, schauen wir gemeinsam an; Ansätze ohne PEM-Schwerpunkt findest du auch auf der Seite Erschöpfung & Überforderung.
Kann Ergotherapie auch bei Brain Fog helfen?
Brain Fog - Wortfindungsstörungen, Konzentrationsprobleme, langsameres Denken - gehört für viele zu den belastendsten Folgen. Ergotherapie kann hier ansetzen, indem wir geistige Aufgaben genauso dosieren wie körperliche: in kurzen Einheiten, mit Pausen, ohne dich zu überfordern. Dazu kommen Hilfen für den Alltag - Aufgaben aufschreiben statt sie dir zu merken, Reize reduzieren, Wichtiges auf die Tageszeit legen, zu der du am klarsten bist. Auch Brain Fog kann sich nach Überlastung als PEM verstärken, deshalb gehen wir behutsam vor.
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?
Mit einer ärztlichen Verordnung über Ergotherapie übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten; es bleibt die gesetzliche Zuzahlung für Erwachsene. Die Verordnung stellt zum Beispiel deine Hausärzt:in aus. Ohne Verordnung kannst du als Selbstzahler:in kommen. Die Einzelheiten zu Verordnung und Kosten stehen auf der Ablauf-Seite.
Mehr Antworten in den häufigen Fragen; wie der erste Termin abläuft und was er kostet, steht auf der Seite Ablauf, Verordnung & Kosten.


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